World Cleanup Day 2026
Wir hatten mit vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Erkenntnis: Wir haben keine einzige Getränkedose und keine PET-Getränkeflasche gefunden. Das hat uns zum Nachdenken gebracht. Ist das ein Zeichen dafür, dass das Einweg-Pfandsystem in Österreich Wirkung zeigt?
Ein Cleanup mit einer überraschenden Beobachtung
Bei Cleanup-Aktionen finden sich häufig Getränkedosen und Einwegflaschen zwischen Büschen, auf Wiesen oder entlang von Gewässern. Das achtlose Wegwerfen dieser Verpackungen – sogenanntes Littering – zählt seit Jahren zu den Herausforderungen im öffentlichen Raum.
Auf der Donauinsel war das Bild in diesem Jahr ein anderes. Statt Dosen und Flaschen fanden wir vor allem Zigarettenstummel, Taschentücher, Verpackungsfolien, Süßigkeitenverpackungen, kleine Kunststoffteile und sonstige Alltagsabfälle.
Natürlich ist das eine Momentaufnahme unserer gemeinsamen Sammelaktion. Sie ersetzt keine wissenschaftliche Erhebung. Trotzdem passt unsere Beobachtung zu den ersten Erfahrungen mit dem österreichischen Einweg-Pfandsystem.
„Dass wir bei unserer Cleanup-Aktion auf der Donauinsel keine einzige Getränkedose und keine PET-Flasche gefunden haben, ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Gleichzeitig zeigt es sehr anschaulich, welchen Beitrag ein funktionierendes Rücknahmesystem leisten kann: Wertvolle Verpackungen werden gesammelt, statt in der Umwelt zu landen, und können wieder in den Recyclingkreislauf zurückgeführt werden“, erläutert Thomas Glatz, Geschäftsführer von Interzero Circular Solutions Europe, der selbst eifrig beim Sammeln aktiv war.
Littering: Mehr als nur ein unsauberes Stadtbild
Eine einzelne Verpackung, die auf einer Wiese oder am Straßenrand liegt, wirkt zunächst wie eine Kleinigkeit. Viele solcher Fälle ergeben jedoch ein relevantes Problem.
Littering belastet die Umwelt, weil Verpackungen und andere Gegenstände in Böden und Gewässer gelangen können, Tiere gefährden oder über längere Zeit in kleinere Kunststoffpartikel zerfallen.
Gleichzeitig gehen wertvolle Materialien für den Recyclingkreislauf verloren. Auch für Städte und Gemeinden bedeutet Littering zusätzlichen Aufwand. Was achtlos weggeworfen wird, muss von Mitarbeiter oder freiwilligen Helfer wieder eingesammelt und entsorgt werden.
Der World Cleanup Day macht dies sichtbar. Gleichzeitig zeigt er, dass die beste Lösung nicht das spätere Aufräumen ist, sondern Abfälle von Anfang an richtig zu entsorgen und Littering zu vermeiden.
Das Pfandsystem zeigt erste Wirkung
Seit Jänner 2025 gilt in Österreich das Einweg-Pfand auf Kunststoffflaschen und Metalldosen. Ziel des Systems ist es, wertvolle Materialien im Kreislauf zu halten und gleichzeitig Littering von Getränkeverpackungen zu reduzieren.
Die erste Jahresbilanz fällt positiv aus: 81,5% der 2025 in Verkehr gebrachten Pfandgebinde wurden bereits zurückgegeben und damit getrennt gesammelt. Insgesamt fanden rund 1,4 Milliarden Flaschen und Dosen den Weg zurück ins Pfandsystem. Das erste Sammelziel von 80% wurde damit sogar übertroffen. (siehe Jahresbilanz 2025, Recyclingpfand Österreich)
Auch das Umweltministerium hält fest, dass der öffentliche Raum bereits merklich weniger durch achtlos weggeworfene Getränkedosen und -flaschen belastet wird. (siehe BMLUK)
Unsere Beobachtung auf der Donauinsel könnte also genau diesen Effekt widerserspiegeln: Wenn eine Dose oder Flasche einen (Pfand-)wert hat, landet sie häufiger im Rückgabesystem und seltener in der Natur.
Warum das ein gutes Beispiel für Kreislaufwirtschaft ist
Kreislaufwirtschaft bedeutet nicht nur Recycling. Sie bedeutet auch, dass Materialien überhaupt gesammelt und in den Kreislauf zurückgeführt werden können.
„Der World Cleanup Day macht sichtbar, was Kreislaufwirtschaft im Alltag bedeutet: Materialien können nur dann im Kreislauf bleiben, wenn sie nach ihrer Nutzung auch richtig gesammelt werden. Das Pfandsystem ist dafür ein gutes Beispiel. Es schafft einen zusätzlichen Anreiz, Verpackungen zurückzugeben, statt sie achtlos wegzuwerfen“, so Sandra Pechac, Geschäftsführerin der Plattform Verpackung mit Zukunft.
Gerade Getränkeverpackungen aus PET und Aluminium sind wertvolle Rohstoffe. Werden sie richtig zurückgegeben, können sie sortenrein gesammelt und zu neuen Verpackungen verarbeitet werden.
Cleanup bleibt trotzdem wichtig
Auch ohne Dosen und Flaschen gab es auf der Donauinsel genug zu tun. Viele andere Abfälle landen weiterhin achtlos in der Umwelt – und gehören dort genauso wenig hin.
Besonders schockierend war auch dieses Jahr die Menge an Zigarettenstummel am Boden. Schadstoffe aus Zigaretten gelangen durch die Witterung in das Grundwasser und bereits eine einzige Zigarette kann dabei ungefähr 40 bis 60 Liter Wasser vergiften.
Jeder richtig entsorgte Abfall hilft daher, öffentliche Räume sauber zu halten, Gewässer und Natur zu schützen, und wertvolle Materialien im Kreislauf zu halten.
Gemeinsam für eine saubere Umwelt
Der World Cleanup Day erinnert daran, dass eine saubere Umwelt nicht erst beim Müllsammeln beginnt. Der wichtigste Schritt passiert bereits vorher: Verpackungen und andere Abfälle richtig zu entsorgen.
Ein herzliches Dankeschön an unser Plattformmitglied Interzero für die gemeinsame Cleanup-Aktion auf der Wiener Donauinsel. Gemeinsam haben wir nicht nur Müll gesammelt, sondern auch gesehen, wie funktionierende Sammelsysteme einen Unterschied machen können und wie jede:r Einzelnen einen Beitrag zu einer sauberen Umwelt und zur Kreislaufwirtschaft leisten kann.