5 Jahre Plattform Verpackung mit Zukunft
Was hat Sie damals dazu bewogen, Gründungsmitglied der Plattform Verpackung mit Zukunft zu werden?
Unsere Entscheidung, Gründungsmitglied der Plattform „Verpackung mit Zukunft“ zu werden, basierte vor allem auf dem starken Netzwerk und der Möglichkeit zur Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Von Maschinenherstellern, FMCG Industrie und Handel, über Verpackungsproduzenten und bis hin zu Recyclingunternehmen – die Plattform vereint alle relevanten Akteure, um Verpackungen ganzheitlich zu denken und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Uns war es wichtig, aktiv Teil dieser Wertschöpfungskette zu sein, um gemeinsam an der Entwicklung und Umsetzung eines funktionierenden Kreislaufwirtschaftssystems für Verpackungen zu arbeiten. Die Plattform bietet den idealen Rahmen, um Synergien zu nutzen, Wissen auszutauschen und die Kreislaufwirtschaft im Bereich Verpackung konkret und praxisnah voranzutreiben.
Was hat die Verpackungsbranche in den letzten 5 Jahren geprägt?
In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Verpackungsbranche stark gewandelt – getrieben durch wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit, verschärfte gesetzliche Vorgaben und das Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Unternehmen stehen heute mehr denn je unter dem Druck, Verpackungen nicht nur funktional, sondern auch recyclingfähig zu gestalten – sowohl aus regulatorischer Sicht als auch im Hinblick auf die steigenden Erwartungen von Verbraucher:innen und die eigene Umweltverantwortung. Genau in diesem Kontext ist „Made for Recycling“ von Interzero entstanden. Unser wissenschaftlich fundiertes Prüfverfahren bewertet umfassend die Recyclingfähigkeit von Verpackungen auf Basis realer Sortier- und Verwertungsprozesse. So zeigen wir Unternehmen konkret auf, wie sie ihre bestehenden Verpackungslösungen weiterentwickeln können – etwa durch Materialsubstitution, Gewichtsreduktion oder die Einbindung innovativer Rezyklatrezepturen (PCR) in die Verpackungsproduktion.
Welche Innovationen und Trends sind heute bestimmend?
Ein zentraler Trend in der Verpackungsbranche ist die Entwicklung hin zu kreislauffähigen, ressourcenschonenden Verpackungslösungen – also zur gezielten Verpackungsoptimierung im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Getrieben wird dieser Trend maßgeblich durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen, allen voran durch die kommende EU-Verordnung PPWR. Die PPWR setzt verbindliche Vorgaben für Gestaltung, Nutzung und Entsorgung von Verpackungen, mit dem Ziel, Verpackungsabfälle deutlich zu reduzieren. Sie wirkt damit als bedeutender Innovationstreiber – insbesondere für recyclinggerechtes Verpackungsdesign, den verstärkten Einsatz von Rezyklaten sowie für die Entwicklung wiederverwendbarer Verpackungslösungen. Unternehmen investieren zunehmend in digitale Technologien, z.B. zur Rückverfolgbarkeit oder zur verbesserten Kennzeichnung von Verpackungen. Zudem wird die Reduzierung von Überverpackung gefordert, was Effizienzsteigerungen mit sich bringt. Insgesamt fördert die PPWR somit die Transformation hin zu nachhaltigen und zirkulären Verpackungssystemen.
Wie sieht für Sie eine zukunftsfähige Verpackungsbranche (in fünf Jahren) aus?
Die Verpackungsbranche der Zukunft wird datengetriebener, technologiegetriebener – und deutlich stärker auf Ressourcensicherheit und Zirkularität ausgerichtet sein. In fünf Jahren werden leistungsfähige Rezyklate aus Polyolefinen (PE/PP), auch in Lebensmittelqualität, eine zentrale Rolle spielen. Um die steigende Nachfrage nach hochwertigen Sekundärrohstoffen zu decken, wird chemisches Recycling – als Ergänzung zum mechanischen Verfahren – an Bedeutung gewinnen. Parallel dazu wird die Sicherung von Rohstoffen zur strategischen Herausforderung: Wer Abhängigkeiten reduzieren will, braucht funktionierende Kreisläufe, langfristige Stoffstrompartnerschaften und digitale Werkzeuge,
die Transparenz schaffen. Genau hier setzen wir bei Interzero an – mit unserem digitalen „Materialkonto“ schaffen wir einen Digital Twin von Verpackungen und ermöglichen damit datenbasierte Rückverfolgung, Reporting und Prognosen zu Verwertungswegen. Die Verpackungswirtschaft wird sich zunehmend professionalisieren – nicht nur im Hinblick auf Recyclingfähigkeit, sondern auch auf Fragen wie Preisstabilität, Lieferkettenresilienz und Innovationsfähigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Was braucht es, um dieses Zukunftsbild zu erreichen?
Um das Zukunftsbild moderner, nachhaltiger Verpackungen zu erreichen, braucht es einen tiefgreifenden Wandel entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Design über die Nutzung bis hin zur Wiederverwertung. Nachhaltigkeit beginnt dabei nicht beim Material allein, sondern im systemischen Denken. Eine ökologisch sinnvolle Verpackung vermeidet unnötigen Ressourceneinsatz, ist im realen Stoffstrom recyclingfähig und erfüllt ihre Schutzfunktion bei möglichst geringem Materialaufwand. Eine nachhaltige Verpackung denkt von der Produktion bis zur Wiederverwertung und berücksichtigt dabei gleichermaßen ökologische, technische und wirtschaftliche Anforderungen.
Was macht Ihnen Mut für die kommenden Jahre?
Ermutigend ist, dass durch gesetzliche Rahmenbedingungen wie die EU-Verordnung PPWR das Bewusstsein für nachhaltige Verpackungen und Zirkularität deutlich gestärkt wird. Unternehmen setzen sich zunehmend ernsthaft mit diesen Themen auseinander – nicht nur aus regulatorischen Gründen, sondern auch, um aktiv zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung beizutragen. Solche Vorgaben wirken nicht nur als notwendige Leitplanken, sondern auch als Motor für Innovationen: Sie fördern neue Entwicklungen, erfordern stärkeres Zusammenwirken aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette – von der Industrie bis hin zur Entsorgungswirtschaft – und binden auch den Endkonsumenten stärker ein.
Welche Rolle können Plattformen wie Verpackung mit Zukunft bei diesem Wandel spielen?
Plattformen wie „Verpackung mit Zukunft“ vernetzen die relevanten Akteure entlang der Wertschöpfungskette und fördern nicht nur Dialog, sondern auch konkrete Kooperationen. Sie schaffen Vertrauen und Rahmenbedingungen, um gemeinsam Kreislaufwirtschaftsprojekte umzusetzen – nicht jeder für sich, sondern als Branche mit vereinten Kräften.
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