5 Jahre Plattform Verpackung mit Zukunft

5 Jahre Plattform Verpackung mit Zukunft

Zum 5-jährigen Jubiläum der Plattform haben wir unsere Mitgliedsunternehmen interviewt.

Manfred Hackl, CEO von EREMA Group und Gründungsmitglied spricht unter anderem darüber, warum EREMA die Plattform mitgegründet hat, welche Innovationen und Trends heute bestimmend sind und was Mut für die kommenden Jahre macht.

Lesen Sie hier das gesamte Interview.

Was hat Sie damals dazu bewogen, Gründungsmitglied der Plattform Verpackung mit Zukunft zu werden?

Wir haben die Plattform mitbegründet, weil wir die Diskussion rund um Verpackungen als zu einseitig und emotional empfunden haben. Unser Ziel war es, mehr Sachlichkeit hineinzubringen. Verpackungslösungen sollen unabhängig vom Material (Papier, Glas, Kunststoff etc.) im Gesamtkontext betrachtet und nach Kriterien wie Funktion, CO2-Fußabdruck und Konsumentenfreundlichkeit bewertet werden. Als Unternehmen, das Lösungen für das Kunststoffrecycling entwickelt, sehen wir uns in der Verantwortung, Bewusstsein für den sinnvollen Einsatz von Verpackungsmaterialien zu schaffen. Kunststoff ist bei richtiger Ausgestaltung ein wertvoller Rohstoff, der durch seine Recyclingfähigkeit einen wesentlichen Beitrag zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft leisten kann. Die Plattform unterstützt dieses Verständnis, und wir sehen darin bis heute eine wertvolle Initiative.

 

Was hat die Verpackungsbranche in den letzten 5 Jahren geprägt?

Die Gesellschaft hat – nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie – erkannt, dass Kunststoff ein wertvoller Werkstoff für Verpackungslösungen sein kann. Entscheidend ist nicht das Material an sich, sondern der verantwortungsvolle Umgang damit. Erfreulich ist, dass der zunehmend gesellschaftliche und politische Druck dazu führt, dass Verpackungsabfälle reduziert beziehungsweise die Rückführquoten erhöht werden sollen. Die Einführung des Einwegpfandsystems für PET-Flaschen und Dosen mit Jänner 2024 in Österreich ist ein konkretes Beispiel für eine regulatorische Maßnahme, die darauf abzielt, Sammelquoten zu erhöhen und Littering zu vermeiden. Ein wesentlicher Meilenstein war der Bau der Sortieranlage Triplast, die Maßstäbe bei der Sortierkapazität und -qualität setzt. Die gesammelten Abfälle werden am neusten Stand der Technik aufbereitet und können gezielt für die nachfolgenden Recyclingprozesse bereitgestellt werden. Im Kunststoffrecycling beobachten wir darüber hinaus einen klaren Trend zur Industrialisierung.

 

Welche Innovationen und Trends sind heute bestimmend?

Ein zentraler Treiber ist aktuell die Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die klare Ziele für die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und den Rezyklateinsatz in neuen Produkten vorgibt. Im Fokus steht dabei die Eignung recycelter Kunststoffe für sensible Anwendungen, etwa im Lebensmittel- oder Kosmetikbereich. Mit unseren Technologien stellen wir sicher, dass recycelte Kunststoffe auch in diesen Bereichen zuverlässig und sicher eingesetzt werden können. Die Kombination aus INTAREMA® TVEplus® RegrindPro® und ReFresher ermöglicht beispielsweise die Herstellung von lebensmitteltauglichem Post-Consumer-Regranulat, und mit der VACUNITE® Technologie entsteht aus gebrauchten PET-Flaschen Regranulat, das für die Herstellung neuer PET-Flaschen geeignet ist. Dafür liegen Zulassungen der europäischen und amerikanischen Behörden für Lebensmittelsicherheit für bestimmte Einsatzbereiche vor.

Ein weiterer, allgemein bedeutender Trend ist die Digitalisierung. Sie schafft Transparenz entlang der gesamten Prozesskette und sorgt durch den Einsatz intelligenter Assistenzsysteme für eine hohe Prozessstabilität. Im Kunststoffrecycling sind Digitalisierung und KI wichtige Werkzeuge, um die steigenden Anforderungen an die Rezyklatqualität zu erfüllen und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu produzieren. Unsere Lösungen umfassen zum Beispiel Predictive Maintenance Tools oder die umfangreiche Online-Plattform BluPort®, die verschiedene Apps bündelt.

Portrait von Manfred Hackl, CEO, EREMA Group © EREMA Group
Plattformen wie Verpackung mit Zukunft fördern den branchenübergreifenden
Dialog und vernetzen Unternehmen der Wertschöpfungskette. Sie bieten Raum für
Austausch, Wissenstransfer und Initiativen.
Manfred Hackl, CEO von EREMA Group
Gründungsmitglied
Wie sieht für Sie eine zukunftsfähige Verpackungsbranche (in fünf Jahren) aus?

In fünf Jahren wird die Verpackungsbranche vor allem eines sein: zirkulär und technologiegestützt umgesetzt. Verpackungen werden recyclingfähig designt sein und der Einsatz von Rezyklaten wird zum Standard gehören. Ich wünsche mir, dass es für den Konsumenten dabei keine Rolle spielen muss, aus welchem Material eine Verpackung besteht. Entscheidend ist, dass jede Verpackung, ob aus Kunststoff, Papier oder Glas, am Ende ihrer Nutzungsdauer adäquat recycelt und wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt wird.

 

Was braucht es, um dieses Zukunftsbild zu erreichen?

Dafür braucht es enge Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: vom Design über die Sammlung und Sortierung bis hin zur Wiederaufbereitung und dem Wiedereinsatz in hochwertigen Anwendungen. Voraussetzung, damit österreichische Unternehmen hier vorankommen, sind Investitionen in Technologie, Infrastruktur und Know-how. Das wird nur mit dem entsprechenden politischen Rahmen funktionieren.

 

Was macht Ihnen Mut für die kommenden Jahre?

Mut macht uns, dass das Thema Kreislaufwirtschaft mittlerweile breit in der Industrie angekommen ist. Und zwar nicht nur als Pflicht, sondern als Chance. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist größer geworden, ebenso das Bewusstsein für die Rolle jeder einzelnen Station im Kreislauf: vom Verpackungsdesign über Sammlung und Sortierung bis hin zum Recycling und der Wiederverwendung der Rezyklate in neuen Produkten. Gleichzeitig haben wir technologisch große Fortschritte gemacht. Wir sehen, dass sich hochwertige Rezyklate immer breiter einsetzen lassen.

 

Welche Rolle können Plattformen wie Verpackung mit Zukunft bei diesem Wandel spielen?

Plattformen wie Verpackung mit Zukunft sind ein wichtiges Instrument, um den branchenübergreifenden Dialog zu fördern. Sie bringen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette an einen Tisch und schaffen Raum für Austausch, Wissenstransfer und gemeinsame Initiativen. Darüber hinaus sehen wir auch den Bildungsauftrag der Plattform als zentral an. Insbesondere die Aktivitäten an Bildungseinrichtungen und in der breiteren Öffentlichkeit begrüßen wir, denn das Verständnis für Kreislaufwirtschaft beginnt beim Wissen über Materialien und Prozesse. Hier braucht es Aufklärung und sachliche Information.

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